

FEKA-Schacht neben Aussenbecken. (Bilder: Suvretta House/zVg)
zVg/FL
Suvretta House in St.Moritz
Der Wellnessbereich im Suvretta House in St.Moritz wurde umfassend um- und ausgebaut. Neben dem neuen 25-Meter-Swimmbecken, Kinderpool, Aussenbad wurde auch die zugehörige Gebäudetechnik komplett erneuert. Eine Herausforderung bei einem so geschichtsträchtigen Gebäude - und trotzdem konnte eine Lösung für nachhaltige Energie mit einer Wärmepumpe und der Quelle Abwasser gefunden werden.
Im Dezember 1912 wurde das Suvretta House in St.Moritz im späten Historismus gebaute Hotel eröffnet. Ein Märchenschloss in der Engadiner Bergwelt. Die Besitzerfamilie hat das Hotel zum 5-Sterne Betrieb ausgebaut und gehört heute zu den Leading Hotels of the World. Das bedingt auch ein laufender Wandel im Angebot von SPA & Wellness. Nach mehreren Jahren der Planung und Konzeption des Bauherrn, Architekten, Planer wurde in nur 8 Monaten die komplette Neugestaltung des Suvretta SPA realisiert. Ein SPA Angebot auf höchstem Niveau bedingt auch entsprechende Gebäudetechnik. Bäder und SPA haben energetisch etwas zu Unrecht nicht den besten Ruf. Der Energiebedarf für Heizung und Brauchwarmwasser ist sicherlich höher, als wenn die Hotelgäste kurz duschen. Das SPA-Erlebnis muss aber nicht zwingend Nachhaltigkeit ausschliessen. Mit einem hohen Wasserbedarf steht auf der Abwasserseite auch eine grosser Volumenstrom zu Verfügung, der als Quelle genutzt werden kann. An diesem Punkt setzte die Abwasserwärmerückgewin-
nung (AWRG) an.
Anschluss an Kanalisation war relativ einfach
Herausfordernd ist bei Bestandesbauten immer die Suche nach einem geeigneten Standort für eine AWRG. Es gilt einen Standort zu finden der sich einfach in die bestehende Kanalisationszuleitung integrieren lässt, sich gut in die Landschaftsarchitektur integriert werden kann und zudem einfache Zugänglichkeit für eine jährliche Wartung gewährleistet.
Durch die Lage am Hang war hier der Anschluss an die Kanalisation relativ einfach und durch die Tatsache, dass ohnehin im Badbereich grosse Erdarbeiten anstanden, konnte der FEKA-Schacht einfach beim Aussenbad angegliedert werden. Einzig die Lösungsfindung für die Zugänglichkeit mit einem Saugwagen war herausfordernd. Man hat Ansaugtests vom erhöhten Parkplatz gemacht, die aber aufgrund der grossen Förderhöhe mit keinem im Engadin verfügbaren Saugwagen machbar waren. Der Aufwand jährlich mit einem Spezialsaugwagen ins Engadin zu fahren, stand in keinem Verhältnis und so konnte eine Lösung mit Zufahrt via Aussenanlage gefunden werden.
Grossteil des Abwassers vom ganzen Gebäude zu nutzen
Der Standort hat sich Rückblicken noch aus einem anderen Grund als ideal erwiesen. Ursprünglich war die AWRG nur für das Abwasser aus dem neuen SPA geplant. Die bestehende Gebäudehauptentwässerung führt ebenfalls am FEKA-Schacht vorbei und so war es naheliegend, den Grossteil des Abwassers vom ganzen Gebäude zu nutzen. Der Abwasseranfall beträgt in der Grössenordnung 40% vom neuen SPA und 60% vom Hotelbetrieb. Der Aufwand für einen etwas grösseren Schacht war marginal und vom Schmutzhandling war ohnehin ein grosser Filter geplant. So kann die Wärmepumpe nicht nur das Brauchwarmwasser bereitstellen, sondern auch den Grossteil vom Heizbedarf des neuen SPA decken.
Auch Klima/Kälte eingebunden
Neben der Nutzung der Quelle AWRG wurde die Wärmepumpe so eingebunden, dass sie auch Klima/Kälte bereitstellen kann. Der Kühl-Bedarf ist im winterlichen Vollbetrieb nicht so hoch und konzentriert sich vor allem auf den Sommer, in einer Zeit in der Laufzeitreserven der Wärmepumpe vorhanden sind. Somit wird auch die Nutzung der Wärmpumpe maximiert. Somit entfällt eine klassische Kühlung und auch diese Energie kann gewinnbringend im Gebäude genutzt werden.
Korrekte Dimensionierung immer eine Herausforderung
Bei einem Objekt mit so grossen Unterschieden zwischen Vollastbetreib, Teillast und Zwischensaison ist die richtige Dimensionierung immer eine Herausforderung. Zum einen möchte man das System nicht überdimensionieren und bei Teillast in einen Pendelbetreib fallen und zum anderen ist die tägliche Laufzeit mit 24 Stunden begrenzt, in denen die Energie zurückgewonnen werden muss. Da benötigt es viel Erfahrung.
Die effektive Rückmeldung erhält man zudem erst unter Voll-Last. Da zeigt sich dann, ob die Dimensionierung richtig war und wie gross die nötigen Anpassungen im Rahmen der Einregulierung sind. Die aktuellen Zahlen der letzten Januar-Woche zeigten eindrücklich, dass mit täglich 21 Stunden Betriebszeit bei einer Vollbelegung des Hotels das System schon recht gut auf Kurs ist. Das sind 1,4 Tonnen CO2-Einsparung pro Tag.
Realisierung nur mit interdisziplinärer Teamarbeit möglich
So eindrücklich die ersten Betriebszahlen sind, eine Realisierung in so kurzer Zeit ist nur durch perfektes, interdisziplinäres Teamwork möglich. Von der Architektur, die für die Erstellung des Bauwerks verantwortlich war und die ganze Koordination vor Ort gemacht hat über die Fachplaner bis hin zur Ausführung und Integration ins übergeordnete MSRL-System. Und: Das alles ist nur möglich mit einer Bauherrschaft, der Nachhaltigkeit wichtig ist. Damit es am Ende ein SPA-Erlebnis auf höchstem Niveau gibt, auch hinter den Kulissen.




